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Thomas Sturmfels führt zum letzten Mal Regie.           

             
         


             

     

         

         

                
Übersicht aller Inszenierungen von
Thomas Sturmfels  
         
 


 Presse    


"Abschied mit einer weiteren..."
LZ/op-online, 30.6.2016

"Der Schrecken des Bootcamps"
FNP, 30.6.2016

 
Das Camp








                          



Zum Vorbericht
           


Über die Aufführung berichtet Michael Ackemann

In einer überwältigenden Aufführung führte die Theather-IG der Dreieichschule Langen das Stück „Das Camp“ von Andreas Galk auf.
Die Handlung spielt in einem Boot camp in den USA. Sechs jugendliche Straftäterinnen, drei Aufseher und ein Geistlicher werden im Laufe des Stücks Teil eines explosiven Konflikts der nur auf den entsprechenden Zündfunken wartet.

                 
Boot camps sind US-amerikanische Einrichtungen zum Strafvollzug und zur Umerziehung jugendlicher Straftäter und Straftäterinnen. Diese umgangssprachliche Bezeichnung entstammt der militärischen Grundausbildung der US-amerikanischen Armee, nach dessen disziplinarischen Grundregeln Boot camps geleitet werden.
Sie sind eine Alternative zu zwei- bis dreijährigen Freiheitsstrafen, unter welcher die Jugendlichen nach 120 Tagen extremster physischer und psychischer Belastung „resozialisiert“ in die Freiheit entlassen werden.
Seit 1980 sind 30 Jugendliche zu Tode gekommen, allein für das Jahr 2005 gibt es mehr als 1600 dokumentierte Fälle von Kindesmissbrauch in Bootcamps. Die Folgen sind und waren Schließungen vieler Camps in den USA.
In Florida wurden nach einem Todesfall 2006 alle Bootcamps geschlossen.Die Handlung beginnt mit einem Monolog von Miss Hudson (Roya Hadji), der Lagerleiterin eines texanischen Boot camps. Alleine sitzt Sie auf der Bühne und beginnt nach einer bedrohlichen Hintergrundmusik in einem unsichtbaren Verhör die im Boot camp geschehene Tragödie zu rekapitulieren. Auch die weiteren Handlungsabschnitte basieren auf Zeugenaussagen der Aufseher.


Aufgrund des Sprühens von Graffiti entscheiden die Eltern von Lucy Geraldine Scott (Jessica Spelten) sie in das Boot camp zu schicken, damit der Eintrag aus ihrer Akte verschwindet.
Bei einer der morgendlichen Lagebesprechungen entscheiden die Lagerleiterin, die Aufseher Mister Stringer (Jakob Graf), Mister Franklin (Artur Berisha), sowie der Geistliche Reverend Nicholson (Mehmet Günes), den Neuzugang Lucy Scott in das Haus Nummer 7 zu verlegen. Trotz des Nicholsons Einwand, Lucy würde sich mit den Mädchen dieses Hauses nicht verstehen, wird sie als erzieherische Maßnahme in das Haus verlegt, gemäß dem Aussage der Aufseherin: „Diese Jugendlichen sind hier, um für schwerwiegende Gewaltverbrechen ihre Strafe abzusitzen, und ganz nebenher sollen sie von uns zu Staatsbürgerinnen erzogen werden. Nur mit Härte und Unnachgiebigkeit haben wir überhaupt eine Chance, dass uns das gelingen wird.“

In dem Haus angekommen wird Scott gleich Opfer der Mobbingattacken der Mädchen, angeführt durch Nicole „Nikita“ LaVey (Valerie Krems). Stetig angefeuert durch Sarah Singer (Alice Lösch) und Brittany Dawson (Francis-Mae Hemmerle) häufen sich die Attacken. Während als einzige aus der Gruppe Geena Granger (Tess Maurus) sich auf die Seite von Scott stellt und versucht diese zu verteidigen, hält sich die kurz vor der Entlassung stehende Cathrin Granger (Vanessa Schmaus) größtenteils aus dem Geschehen raus.
Mit der Zeit häufen sich die Zwischenfälle zwischen den Mädchen, was zu den kreativsten Disziplinarmaßnahmen durch die Aufseher führt, von 20 Runden um den Sportplatz hin zum elektrischen Stuhl, liebevoll auch „der heiße Stuhl“ genannt.
Der Konflikt spitzt sich zu als Miss Hudson das Camp für eine Zeit verlässt, um die Entlassungspapiere von Catherin Granger abzuholen und den Aufsehern die Leitung des Lagers überlässt. Daraufhin folgt eine Explosion des Konflikts mit einem tragischen Finale. Das Stück schließt mit einer letzten Rückblende durch Miss Hudson, wieder auf dem Anklagestuhl.


                                                     
                                                       Galerie (klicken!)



Das Stück ist eine sehr emotional geladene Inszenierung der Zustände in einem Boot camp mit all seinen Facetten; die schräge Einstellung der Wärterinnen und Wärtern den Jugendlichen gegenüber, die vermeintlich sinnvollen und nützlichen „Erziehungsmaßnahmen“ und daraus resultierenden, ständig präsenten Problemen zwischen den Insassen als Folge der Kompensation des psychischen Stresses dem die Jugendlichen ausgesetzt sind.
So ist diese sehr sehenswerte Kritik am System der Boot camps nicht nur den hervorragend spielenden Schauspielerinnen und Schauspielern geschuldet, sondern vor allem auch dem großartigen Engagement des Regisseurs und zuständigen Lehrers, Thomas Sturmfels.

Am Abend seiner letzten Aufführung blickt Thomas Sturmfels wehmütig  auf die letzten 37 Jahre theater-ig unter seiner Regie zurück. Angefangen im Oktober ’79 mit „Die Katze war an allem Schuld“ im Rahmen des Schulfestes, wurden in den darauffolgenden  Jahren viele verschiedene bekannte Stücke aufgeführt, von Shakespeares Sommernachtstraum, zu „Die chinesische Mauer“ von Max Frisch hin zu ganz eigenen Stücken wie „Antigone oder so...“ im vergangenen Jahr.
Mit bis zu zwei Theateraufführungen pro Jahr führten viele Stunden Arbeit zu erfolgreichen Aufführungen, die der theater-ig im Jahre 1991 den Auszeichnung „1. Preisträger des Langener Kulturförderpreises“ bescherte.
Doch so wie die einzelnen Schauspielerinnen und Schauspielerinnen viel für sich mitgenommen haben, so hat auch Thomas Sturmfels nicht nur viel Spaß für sich mitgenommen, sondern auch das besondere Erlebnis zu sehen, wie sich die einzelnen Schülerinnen und Schüler sein IG über die Jahre hinweg entwickelt haben.
Jetzt bleibt nur noch zu wünschen, dass diese Arbeit auch in Zukunft weiter aufgegriffen wird und diese großartigen Aufführungen in der gewohnten Kontinuität fortgeführt werden.



Wir danken an dieser Stelle sehr herzlich Thomas Sturmfels für seine besondere Arbeit und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!
Weiterhin danken wir besonders den Schauspieler/innen Valerie Krems, Tess Maurus, Vanessa Schmaus, Francis-Mae Hemmerle, Alice Lösch, Jessica Spelten, sowie Roya Hadji, Jakob Graf, Artur Berisha und Mehmet Günes. Ein weiteres Dankeschön geht an die Licht- und Tontechniker Florian Tront und Pascal Will, sowie der Souffleuse Hannah Schiller.

WebCo,30.06.2016