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Theater-IG

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Theater-IG: Aufführungen
25 Jahre




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Die Theater-IG besteht seit 1979. Gründer und Leiter ist Thomas Sturmfels.

Mitglieder sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10-13.

Die Stückauswahl und Rollenverteilung erfolgt jeweils in gemeinsamer Absprache, für Bühnenbild, Kostüme, Licht und Ton sorgen die Schauspielerinnen und Schauspieler selbst.

Aufführungsorte : Stadthalle Langen für die großen jährlichen Aufführungen, Musiksaal der Dreieichschule für die kleineren Projekte.


Hier erzählt Herr Sturmfels in einem kurzen Interview aus dem Jahre 2011 über die Entwicklung der Theater-IG und seine persönliche Beziehung zum Theater:


Der Clip ist ein Ausschnitt aus dem Doku-Kurzfilm von Herrn Martin Bischoff über die Aufführung von Krabat durch die Mittelstufen-Theater-AG.
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Der braune Anzug
ist der rote Faden

Dreieich-Spiegel Nr.18 / 99
Der Anzug ist alles andere als zeitgemäß.
Weniger freundlich ausgedrückt: er ist extrem häßlich. Braun, altertümlich und abgetragen. Trotzdem hat sich Thomas Sturmfels in ihn hineingezwängt. Doch nicht etwa nostalgische Gründe haben den an der Dreieichschule tätigen Lehrer bewogen, sich derart in - nun ja - "Schale zu werfen". Vielmehr stellt der alte Tanzstundenanzug des Pädagogen - um nichts anderes handelt es sich nämlich bei diesem etwas eigentümlichen Kleidungsstück - den ,,roten Faden" einer Ausstellung dar, die am Mittwoch anläßlich des 2Ojährigen Bestehens der "theater-ig" der Dreieichschule eröffnet wurde.
Das "kleine Braune" spielte nämlich in gut der Hälfte der Produktionen dieser Schüler-Theatergruppe eine "getragene Rolle".

Es war 1979, als Sturmfels an das Langener Gymnasium kam. Seine Aufgabe: Sport und Biologie zu unterrichten. Seine tatsächliche Leidenschaft: die Schauspielerei. "Ich hatte bis dahin schon in der Theatergruppe meiner eigenen Schule und im Schauspiel-Studio der damaligen TH Darmstadt agiert", erinnert sich der 48jährige. Folglich war das erste, was er wissen wollte als er in die Sterzbachstadt versetzt wurde, ob an der Dreieichschule auch eine Theatergruppe existieren würde.

Als dies verneint wurde, hob er kurzerhand ein eigenes Ensemble, die "theater-ig" eben, aus der, laufe, dem sich sofort 14 Schüler anschlossen. Die erste Produktion trug den Namen "Die Katze war an allem schuld" und wurde anläßlich des Schulfestes im Jahr 1979 aufgeführt. In welch bescheidenem Rahmen damals agiert wurde, läßt sich daran erkennen, daß das "herzzerreißende Ritter-Trauer-Schauer-Spiel in drei Akten" als solches wurde es angekündigt im Vorraum vor der jetzigen Cafeteria über die Bühne ging. Sicherlich kein adäquates Ambiente für ambitionierte Akteure.

Folglich wurden im Jahr darauf zwei andere Aufführungsorte hinsichtlich ihrer Eignung für ,,großes Theater im kleinen Rahmen" getestet: der Musiksaal und die Turnhalle des Gymnasiums. Doch auch diese beiden wiesen unbestreitbare Nachteile auf. Der Bühne im Musiksaal, wo Bertolt Brechts "Die Kleinbürgerhochzeit" gegeben wurde, fehlte nämlich ein Treppenaufgang, während in der Turnhalle, in der anläßlich des, 8Oer-Schulfestes Szenen zum Thema "Liebe" gespielt wurden, die Akustik miserabel war und heute auch noch ist. "Da haben lediglich die Leute in den vorderen beiden Reihen etwas verstanden", erinnert sich der Gründer der "theater-ig" nur mit Grausen an dieses Fiasko. Klar, daß dieser Premiere keine weiteren Aufführungen in der Turnhalle folgten.

       Zur "Trendwende" - was die Qualität des Aufführungsortes anbelangt - kam es dann ein Jahr später, als erstmals die Stadthalle unentgeltlich genutzt werden konnte. Die Resonanz auf die zwei dortigen Aufführungen machte denn auch deutlich, daß der Schritt raus aus dem Schulgebäude wohl überfällig gewesen war. Der Langener Musentempel war nämlich mit jeweils über 400 Zuschauern bestens gefüllt.

Verantwortlich für diesen enormen Zuspruch dürfte indes nicht nur die bis dato ungewohnte Lokalität, sondern auch das aufgeführte Stück gewesen sein- "Hexenjagd" von Arthur Miller. Daß ausgerechnet dieses Werk gespielt werden sollte, hatte bei Sturmfels im Vorhinein allerdings für einige Bauchschmerzen gesorgt.
"Ich hielt den Stoff für zu schwierig", rekapituliert der bei allen Aufführungen der letzten 20 Jahre für die Regie verantwortliche Pädagoge. Doch seine Schüler belehrten ihn eines Besseren. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sich die intensive Probenarbeit bezahlt machte. Während am Anfang eines jeden Projektes, das dann zum Schuljahresende aufgeführt wird, einmal die Woche etwa zwei Stunden geprobt wird, stehen in der Endphase mehrere "Marathonproben" von bis zu fünf Stunden Länge auf dem Programm. Und so bezeichnet Sturmfels die "Hexenjagd" in der etwas verklärten Rückschau als "den besten Auftritt, den wir je hatten".

       Die Entscheidung, welches Bühnenwerk einstudiert werden soll, wird im übrigen ganz demokratisch im großen Kreis getroffen. ,Wir erstellen gemeinsam eine Liste geeigneter Stücke und stimmen dann darüber ab', beschreibt Sturmfels die Vorgehensweise, die bislang zumeist ohne größere Probleme abgelaufen ist. Seine Autorität als Lehrer würde er, sagt Sturmfels, nur dann einsetzen, wenn die Wahl auf ein Boulevard-Stück fallen würde. Der Grund - ,Auch wenn diese zum Teil sehr schwer zu spielen sind, muß doch ein gewisser Anspruch gewahrt bleiben.'

Daß dies bislang der Fall gewesen ist, macht ein Blick auf die Liste der Aufführungen deutlich Denn dort finden sich die Werke einer ganzen Reihe höchst renommierter Autoren: Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" den die "theater-ig" 1984 verarbeitete, zählt ebenso dazu wie Zuckmayers "Der Rattenfänger" (1986), "Lysistrata" von Aristophanes (1989), Erich Kästners "Schule der Diktatoren" (1995) oder Dürrenmatts ,Romulus der Große', das im vergangenen Jahr aufgeführt wurde.
Allein an dieser Aufzählung wird die Handbreite der Werke deutlich, die in den letzten Jahren über die Bühne der Stadthalle gingen. In der Mehrzahl hat es sich dabei um Komödien gehandelt, auch wenn es Sturmfels' Traum ist, einmal eine antike Tragödie mit den Mitgliedern der "theater-ig" einzustudieren. Dies realisieren zu können, hält er allerdings für schlicht unmöglich: ,Ein solches Stück findet bei den Schülern mit Sicherheit nicht den nötigen Anklang.'

       Trübsal bläst der engagierte Hobby-Mime deswegen allerdings nicht. Wieso auch? Schließlich haben in den vergangenen 20 Jahren etwa 235 Dreieichschüler unter Sturmfels' Aufsicht gelernt, was es heißt, auf den Brettern zu stehen, die angeblich die Welt bedeuten. Und scheinbar haben sie ihre Lektionen gut gelernt, denn größere Pannen sind in all den Jahren ausgeblieben. "Die jungen Darsteller haben kleinere Hänger immer so geschickt überspielt, daß es dem Publikum gar nicht aufgefallen ist", lobt Sturmfels den Langener Schauspiel-Nachwuchs.

       Für ein erfolgreiches Wirken auf der Bühne gibt es nach Ansicht des Lehrers nur eine Grundvoraussetzung: ,,Man muß sich trauen, auf die Bühne zu gehen und vor Publikum zu agieren.' Diese Fähigkeit haben seit Gründung der ,,theater-ig" im übrigen mehr Mädchen als Jungen unter Beweis gestellt. In diesem Jahr freilich ist endlich auch das ,starke Geschlecht" wieder in ausreichender Zahl vertreten, und so ist es kein Problem, die Rollen in William Congreves Stück "Liebe für Liebe", mit dem die jungen Schauspieler im Juni auftreten werden, dem Geschlecht entsprechend zu besetzen.

       Generell sind Nachwuchssorgen in der "theater-ig" unbekannt. Und dies trotz der klaren Vorgabe, daß nur Schüler, die tatsächlich noch die Dreieichschule besuchen - in der Regel geht es um Zehnt- bis Dreizehntklässler dem Ensemble angehören dürfen. "Ehemalige dürfen nicht mehr spielen, - da wir keine Schauspiel-Elite heranziehen wollen", erläutert Sturmfels, der jährlich mit 15 bis 30 Hobby-Schauspielern arbeitet. Gleichwohl haben einige Akteure den Sprung von kleinen Langener Anfängen in die Welt der ,großen Unterhaltung" geschafft. Dazu zählen unter anderem Peer Abilgaard, der mittlerweile als Opernsänger tätig ist, die Schauspielerin Sylvia Hofrock und Thommie Baake, der als Kabarettist nicht nur bei seinen Gastspielen in Langen Erfolge feiern konnte.


         Kulturförderpreis
Doch nicht allein diese herausragenden Cracks waren dafür verantwortlich, daß die "theater-ig" 1991 der erste Preisträger des Kulturförderpreises der Stadt Langen wurde. Vielmehr würdigten die Verantwortlichen damit die kontinuierliche Bereicherung der kulturellen Landschaft der Sterzbachstadt. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, daß viele weitere frühere Mitglieder der "theater-ig" nach wie vor bei Amateurgruppen aktiv sind, hofft nicht allein Sturmfels, daß die Stadt den schauspielernden Gymnasiasten auch zukünftig gewogen ist und letztere dementsprechend die Stadthalle nach wie vor kostenlos nutzen können. In diesem Fall wäre nämlich garantiert, daß der braune Anzug noch lange zum Inventar der ,,theater-ig" gehört....

Harald Sapper
Webteam, 15.03.2003 + 30.8.2011