
Wer die Schulzeitung der Dreieichschule nach Spuren des digitalen Wandels durchblättert, wird in der 9. Ausgabe vom März 1983 fündig: Unter dem Titel „Verfluchter Computer!“ beschreibt Studienrat Bernd Sykora, wie die Schule erstmals Kurs- und Fächerwahlen mit einem eigenen Computer auswertete. Dazu gehörten das Einlesen zahlreicher Lochkarten, das Codieren von Kursbezeichnungen und die Vergabe von Benutzernummern. Der Start in die digitale Ära war gemacht, wenn auch diverse Schwierigkeiten auftraten.
Bei der weiteren Lektüre stoßen Leser auf Artikel wie „Computerchinesisch – Warum sich Schüler mit Computern befassen“ (Ausgabe 14, Dezember 1985) und „Hallo Computer, verstehst du mich? Ratschläge für Computer-Käufer“ (Ausgabe 16, 1986).
Auch im Lehrerzimmer hielt die moderne Technik Einzug: Wie in Ausgabe 15 (1986) berichtet wird, schaffte das Kollegium den zweiten Kopierer selbst an – auf eigene Kosten. Das Matrizendrucken wurde somit allmählich verdrängt. Eine Kopie kostete damals 10 Pfennig.
Ein weiterer Meilenstein war der 9. Juni 1990: Die Verwaltung der Dreieichschule erhielt einen neuen Computer, gespendet von den Stadtwerken und der Sparkasse. Künftig verwaltete das Gerät alle Daten rund um den Stundenplan. Bei der feierlichen Übergabe waren Heinrich Bettelhäuser (Direktor der Stadtwerke), Bernhard Paeslack (Direktor der Sparkasse) und Dieter Pitthan (Erster Stadtrat) zugegen. Die Schule war durch Studiendirektor Detlef Vogt, Oberstudienrat Bernd Sykora und Oberstudienrätin Friedrun Jakob vertreten.
1 Die Zeit von 1981 bis 1988: Von der Computer AG zum Wahlunterricht Informatik
1981 startete die erste Computer AG für interessierte Schülerinnen und Schüler – geleitet von Herrn Peter Gille. Zu dieser Zeit besaß die Schule selbst noch keine Computer, an denen Schülerinnen und Schüler arbeiten konnten. Die Computer waren Privatgeräte, welche für den Unterricht in die Schule gebracht wurden. Herr Gille übernahm nicht nur den Unterricht, sondern auch den Transport der Geräte.
1984/1985 entwickelte sich aus der AG der erste Wahlunterricht Informatik, der auch im Zeugnis vermerkt wurde. So erhielten die Schülerinnen und Schüler einen offiziellen Nachweis über ihre Kenntnisse.
Im Schuljahr 1985/1986 wurde im heutigen Raum 3-014 der erste Computerraum mit schuleigenen Computern eingerichtet. Der Wahlunterricht Informatik hatte nun einen eigenen Fachraum. Seit diesem Schuljahr finden in den Jahrgangsstufen 9 und 10 planmäßig Wahlunterricht in Informatik statt.
2 Die Zeit von 1989 bis 2000: Informatik in der Oberstufe und das Fach IKG
Ab dem Schuljahr 1988/1989 wurde das Fach Informatik nicht nur als Wahlunterricht in der 9. und 10. Jahrgangsstufe, sondern auch in der Oberstufe angeboten. Die erste Abiturprüfung im Grundkurs Informatik legten Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 1990/1991 erfolgreich ab.
Im Schuljahr 1993/1994 startete an der Dreieichschule ein zweijähriger Modellversuch im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnischen Grundbildung (IKG). Ab dem Schuljahr 1995/1996 wurde IKG dann im gesamten Jahrgang 8 unterrichtet. IKG wurde in den späteren Jahren in das Fach Arbeitslehre integriert. Im Mittelpunkt des IKG-Unterrichts standen zum einen die Grundlagen der Anwendung und der Grenzen der Informations- und Kommunikationstechniken und zum anderen die Prinzipien des Einsatzes von Computern. Dabei wurden Grundsätze des Problemlösens mit unterschiedlichen Computerprogrammen erarbeitet. Ebenso wurden die Veränderungen in der Arbeitswelt und im Freizeitbereich und die Möglichkeiten der aktiven und bewussten Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken besprochen. Die Grundlagen der "Vernetzung" von Informations- und Kommunikationstechniken wurden auch thematisiert.
3 Die Zeit von 2001 bis 2017: PC-Unterricht und Leistungskurs Informatik
Mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 musste aufgrund der Streichung des Fachs Arbeitslehre im Gymnasialen Bildungsgang der Unterricht in der IT-Grundbildung eingestellt werden.
Als Alternative wurde an der Dreieichschule ein Konzept zur Einführung in die Arbeit mit dem PC erarbeitet. Dieses Konzept wurde erstmalig im Schuljahr 2002/2003 in den Jahrgangsstufen 7 und 8 umgesetzt. Der Unterricht fand im Blockunterricht im Klassenverband statt. Die Schülerinnen und Schüler erhielten ein von einem Team von Lehrkräften selbst erstelltes Arbeitsheft, anhand dessen einzelne Module erarbeitet wurden.
Aus diesem Konzept entwickelte sich in den folgenden Jahren der PC-Unterricht in der Jahrgangsstufe 6.
Im Schuljahr 2003/2004 wurde das erste Medienpädagogische Konzept der Schule erarbeitet, beschlossen und in das Schulprogramm integriert. Neben einer Beschreibung der damaligen Hardware und der inhaltlichen Ausgestaltung der IT-Grundbildung und Medienerziehung wird auch in einem Abschnitt die Arbeit an der damaligen Homepage des Webteams beschrieben.
Im Schuljahr 2002/2003 erhielt die Dreieichschule durch den Träger Kreis Offenbach eine neue Computerausstattung. Im Raum 3-014 standen nun 16 und im Raum 3-122 14 Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler mit einer einheitlichen Hardware zur Verfügung. Darüber hinaus gab es noch 8 weitere Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler aus der alten Ausstattung im Raum 3-013. Zudem waren alle PCs über ein Netzwerk vernetzt.
Die im Schuljahr 2002/2003 gelieferten PCs waren Leasing-Geräte. Aufgrund der vorbestimmten Laufzeit wurde das pädagogische Netz turnusmäßig alle 5 bis 6 Jahre erneuert und ausgebaut.
Ein weiterer Meilenstein in der digitalen Entwicklung der Dreieichschule war der Start des ersten Leistungskurses Informatik. Im Schuljahr 2010/2011 war es endlich soweit: Eine Schülerin und elf Schüler belegten den Leistungskurs Informatik. Alle zwölf bestanden erfolgreich im Jahr 2012 das Abitur.
4 Die Zeit von 2018 bis 2023: WLAN an der Schule und Corona-Zeit
Am 06.12.2018 hat die Schule als erste Schule des Kreises Offenbach WLAN erhalten. In der ersten Zeit nach der Einführung hat der IT-Support des Kreises und die Schule Erfahrungen gemacht, die entscheidend für nachfolgende Projekte waren.
Im Schuljahr 2018/2019 hat die Schule zudem in einem Pilotprojekt Office 365 flächendeckend für alle Schülerinnen und Schüler und allen Lehrkräften eingeführt. In diesem Projekt wurde vor allem das neue Tool Teams in Bezug auf die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schülerschaft erprobt. Erstmals konnten Klassen- und Kursteams eingerichtet, Aufgaben digital verteilt und die entsprechenden Lösungen abgegeben werden.
Diese Pilotphase war entscheidend für die im Schuljahr 2019/2020 beginnende Corona-Zeit. Aufgrund der zuvor gemachten Erfahrungen konnte die Schule mit dem Tool Teams und dem zuvor ebenfalls eingeführten Schulportal-Hessen in kürzester Zeit eine Kommunikationsstruktur aufbauen und so den Distanzunterricht organisieren. Über die Teams integrierte Video-Konferenz-Funktion konnte auch Online-Unterricht in den unterschiedlichen Jahrgangsstufe angeboten werden.
In der Corona-Zeit wurden im Bereich der digitalen Kommunikation entscheidende Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen wurden im Anschluss intensiv in den einzelnen schulischen Gremien evaluiert. Ergebnis dieses Prozesses ist das im März 2023 beschlossene Kommunikationskonzept der Dreieichschule.
Über den Digitalpakt konnte der Schulträger Kreis Offenbach für jede Lehrkraft ein digitales Endgerät finanzieren. Die Gesamtkonferenz der Dreieichschule sprach sich am 01.03.2021 mehrheitlich für die Anschaffung eines iPads aus. Die iPads wurden im Juli 2021 geliefert und an die Lehrkräfte verliehen.
Im Oktober 2022 schaffte der Kreis Offenbach darüber hinaus 170 Laptops an. Diese Endgeräte können seitdem an Schülerinnen und Schüler verliehen werden. Mit diesen beiden Investitionen des Kreises sind wir heute in der Lage, jedem Mitglied der Schulgemeinde ein digitales Endgerät für den schulischen Gebrauch zur Verfügung zu stellen.
Eine weitere Anschaffung folgte in den Osterferien 2023. In den Ferien und in den Wochen danach wurden in allen Klassen- und Fachräumen digitale Tafeln eingebaut. Im Zuge dieses Einbaus wurde auch das WLAN-Netz der Schule weiter ausgebaut. Jede Tafel kann entweder über WLAN oder über Kabel mit einem digitalen Endgerät verbunden werden. Mit den Tafeln wurden auch für jeden Klassen- und Fachraum Dokumentenkameras geliefert.
5 Weiterentwicklung ab 2024: Die heutige Ausstattung, das Fach „Digitale Welt“ und das Projekt „Digitale 11“
Die heutige Ausstattung wurde in den Herbstferien 2024 geliefert. Seitdem stehen der Dreieichschule 200 Schülerinnen- und Schüler-Endgeräte zur Verfügung. Erstmals verfügt die Schule auch über 90 iPads, welche in drei Einheiten zusammengefasst sind. Die Ausleihe der iPad-Einheiten erfolgt über das Schulportal.
Zudem startete im Schuljahr 2024/25 das neue Unterrichtsfach „Digitale Welt“ als Pilotprojekt in zwei 5. Klassen. Ab 2025/26 wird es zweistündig für alle 5. und 6. Klassen angeboten und löst damit den bisherigen PC-Unterricht ab.
Im Unterrichtsfach „Digitale Welt“ werden grundlegende Inhalte der Informatik mit Themen aus Ökonomie und Ökologie verbunden. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, wie digitale Technologien zur Lösung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Herausforderungen beitragen können.
Im Mittelpunkt steht die praxisnahe Anwendung: In zwei zusätzlichen Wochenstunden erarbeiten die Kinder anhand konkreter Aufgaben aus verschiedenen Lebensbereichen informatische Grundlagen. Dazu zählen unter anderem das Programmieren, das Verständnis von Algorithmen sowie der reflektierte Einsatz digitaler Werkzeuge.
Darüber hinaus behandelt das Fach zentrale Themen wie Datenschutz, Cyberkriminalität und verantwortungsbewusste Mediennutzung. Damit wird nicht nur technisches Wissen, sondern auch ein bewusster und sicherer Umgang mit digitalen Technologien gefördert.
„Digitale Welt“ schafft somit eine praktische und kognitive Grundlage für den späteren Informatikunterricht und trägt dazu bei, Berührungsängste abzubauen und eine positive Einstellung gegenüber technologischen Entwicklungen zu entwickeln.
Das Pilotprojekt „Digitale 11“ startete in der E-Phase im Schuljahr 2022/2023. Ziel dieses Projektes ist es, die Schülerinnen und Schüler systematisch an das digitale Arbeiten im schulischen Kontext heranzuführen und ihre digitale Kompetenz zu stärken. Das Projekt basiert auf „bring your own device“, es können aber auch digitale Endgeräte bei der Schule ausgeliehen werden.
In einem neu konzipierten Methodentrainingsprogramm werden alle 11ten Klassen in einem rotierenden System unterrichtet. Dabei wird der vertiefte Umgang mit den Programm Word, Excel und PowerPoint trainiert, das systematische digitale Arbeiten und Methoden der Texterschließung geübt und in den Unterricht eingebunden. Als weitere Bausteine haben sich Module wie „Digitale Forensik“ oder auch das „Zehnfingerschreiben“ etabliert.
Die Pilotphase lief bis zum Schuljahr 2024/2025. In der Gesamtkonferenz im Mai 2025 wurde das Projekt Digitale 11 beschlossen und in das Schulprogramm aufgenommen.
In dieser kurzen Zusammenstellung der digitalen Entwicklung an der Dreieichschule in den letzten 45 Jahren wurde deutlich, dass die Schule stets bemüht war, sich dem digitalen Wandel innerhalb der Gesellschaft zu stellen. Immer wieder wurden Programme und Projekte mit dem Ziel erarbeitet, unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf eine sich veränderte Arbeitswelt gut vorzubereiten.
Stefan Kirchmaier

